Alles auf Anfang

Posted In: Life

Es ist sechs Uhr Morgens, ich sitze in einem kleinen Café am Flughafen Wien, trinke lauwarmen Kaffee, esse überteuerte Pommes  und frage mich, wie man es eigentlich anstellt – diesen ersten Post nach fast einem Jahr Blogabstinenz zu schreiben.
Sagt man “Hi” und macht weiter, als wäre nichts gewesen?

Legt man vielleicht mit einem kleinen Lebensupdate los und versucht, die letzten zwölf Monate in ein paar kurzen Sätzen zusammenzufassen?

Fängt man mit Erklärungen oder gar epischen Comeback-Geschichten an, ohne selbst so recht zu wissen, wo die Reise hingehen soll?

Witzig, dass ich nun in Wien sitze und diese Zeilen tippe – da, wo alles angefangen hat. Mit dem ersten kleinen Text, der probeweise in “dieses Internet” gestellt wurde. Damals, weit entfernt von den unzähligen Diskussionen rund um Influencer, Instagram und #SponsoredPosts. Als es einfach noch darum ging, die eigenen Gefühle, Ideen und Gedanken mit der Welt zu teilen, sich auszutauschen und eine Community zu schaffen, in der weder affiliate Links noch SEO-gerecht platzierte Schlagwörter eine Rolle spielten.

Mal sehen, was passiert. Liest das überhaupt jemand? Scheinbar schon, wie sich später zeigte.

Viele der Blogger von “damals”, die ich so bewundert und gern gelesen habe, sind mittlerweile zu guten Freunden geworden, ob in Berlin, Zürich oder Wien. Leser, deren Kommentare immer wieder dazu ermutigt haben, weiterzutippen, Fotos zu machen und sich an holprigen Tutorials, zusammengewürfelten Outfits und persönlichen Texten zu versuchen, sind auch heute noch da.

Nur – und dazu fehlt mir ehrlich gesagt noch eine gefestigte Meinung – eben nicht mehr auf dem Blog, wo die Gedanken, Ideen und Erfahrungen noch reichlich Platz hatten. Man hält jetzt Kontakt in Form von Herzchen-Emojis, platziert unter einem perfekt beleuchteten und in den Feed passenden Instagrambild, das oft nicht viel mehr kann, als eben nur gut auszusehen.

Wer mir dort folgt weiß, dass ich mich da absolut nicht ausschließen kann. Und trotzdem: irgendwann hat man es einfach satt, sich nur noch darum Gedanken zu machen, ob das Frühstücksbild wohl ausreichend Likes bekommen und welche illustre Kulisse wohl die meisten Kommentare generieren würde. Wo bleibt die Persönlichkeit? Was ist mit der eigenen Meinung? Sind schöne Selfies alles, was “uns” übrig geblieben ist?

Der Teufelskreis aus dem Anspruch an sich selbst und der Realität, die nun mal aus der möglichst hohen Zahl, die dort oben über das Instaprofil prangt, besteht, hat auch mich irgendwann in die Knie gezwungen. Was bringt es schließlich, zwar gut geklickte, ehrliche, bewegende oder einfach nur witzige Texte in stundenlanger Feinarbeit zu verfassen, wenn man damit aber nicht annähernd gegen ein mal eben schnell geschossenes, quadratisches Foto ankommt? Die Likes sind da, der Geltungsdrang schnell befriedigt – wie Fast Food, das in dem Moment zwar köstlich schmeckt, auf lange Sicht aber weder den Appetit noch den eigenen Geschmack befriedigt.

Und um endlich mal zum Punkt zu kommen und das Pathos dieses doch länger geratenen Textes in die Mai-Feierlichkeiten zu entlassen, sage ich ganz plump: Ich, genauer gesagt mein Social Media-Ich, will keine Pommes mehr sein. Viel lieber ein gut durchdachtes Menü, vielleicht auch mal ein leichtes Dessert, aber kein auf die schnelle verschlungener Snack mehr, der nur ein unbestimmtes Gefühl hinterlässt und niemals sättigt.

Dazu bedarf es nämlich immer ein paar Worte, Gedanken und Ideen, so wie es damals war, als wir mit dem Bloggen angefangen haben. Und schließlich gibt es oft selbst zum banalsten Outfit eine Story zu erzählen – irgendwie muss man dem Blognamen ja gerecht werden 😉

  • Terrorbambi
    1. Mai 2017

    Schön, dass du wieder da bist. 🙂
    Und ich glaube, dass sich in diesem Text gerade sehr viele wiederfinden werden. Mir geht es nämlich sehr oft genau so – was man auch an der Anzahl meiner Blogposts im letzten Jahr merkt.

    Drücker,
    Caro

  • Anja
    1. Mai 2017

    Schön, das du wieder da bist 🙂

  • Jenny
    1. Mai 2017

    Hey,

    Ich habe dich tatsächlich auf den Social Media Kanälen “gefunden” und fand und finde dich dort (natürlich insbesondere bei Instastory) extrem sympathisch und echt – was ich bei manch anderem Blogger sehr vermisse.

    Da hab ich mich jedoch immer gefragt warum du deinen Blog nicht mehr aktualisierst… Daher freue ich mich jetzt die Antwort gefunden zu haben und freue mich darauf demnächst öfter mal ein gut durchdachtes Menü von dir genießen zu können 😉

    Liebe Grüße
    Jenny

  • Marie
    2. Mai 2017

    Happy to have you baaack ♡

    Ich freue mich darauf viele großartige Menüs von dir zu verschlingen, obwohl ich Dessert natürlich immer noch am meisten liebe, wie du weißt 🙂

  • Elina Neumann
    2. Mai 2017

    Da bist du ja wieder! <3

  • Fiona
    4. Mai 2017

    Juhu du bist wieder da 🙂
    Freue mich schon auf deine Menüs 😉

    Liebe Grüße,
    Fiona

  • finja
    15. Mai 2017

    Schoen geschrieben, mir geht es da mit Instagram aehnlich… man kann nicht in die Tiefe gehen. Es ist wohl so, dass ein kleiner Kreis viel besser sein kann…
    xx finja | http://www.effcaa.com

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